Fachartikel Traumhaus

Erstellungs- und Nutzungsfehler bleiben selten ohne Konsequenzen

    Viele Liegenschaften beschäftigen den Eigentümer nach dem Bezug mehr, als er sich das vor deren Erstellung oder Kauf vorgestellt hatte. Das Planen, Bauen, aber auch die Pflege eines Hauses sind komplex und haben ein entsprechend hohes Fehlerpotenzial.

     

    PLANUNGSFEHLER
    Nicht selten sind Schäden eine Folge schlechter Planung.
    Nur umfassendes Wissen und ein grosser Erfahrungsschatz
    in Material- und Bautechnik können Schäden
    verhüten oder zumindest möglichst verhindern.

    Folgende wichtigen Grundsätze sind dabei hervorzuheben:

    •  Es gibt feuchtigkeitsempfindlichere und -resistentere
      Baumaterialien und Bausysteme.
    • Der Zustand der gesamten Gebäudehülle (Dach, Fenster,
      Wände, Terrassen u. a.) muss regelmässig überwacht
      werden und der einfache Unterhalt muss möglich
      sein.
    • Vor Witterung richtig geschützte Bauteile (z. B. mittels
      Vordächer) haben in der Regel eine längere Lebensdauer.
    •  Auf Flach- und Steildächern, Terrassen und Vorplätzen
      muss dafür gesorgt werden, dass Wasser durch
      ausreichendes Gefälle rasch und kontrolliert abfliessen
      kann.

    Es ist kein Zufall, dass alle aufgeführten Punkte mit Wasser in Verbindung stehen, welches als «Hauptfeind» jeder Liegenschaft bezeichnet werden kann. Entsprechend ist konstruktiv vorausschauend auf dieses Medium zu reagieren. Leider wird durch die Architekten und Ausführenden nicht selten leichtsinnig mit dieser Gefahr umgegangen und auf noch zu wenig erprobte Baumaterialien gesetzt. Fehler entstehen nicht selten aufgrund einer der jeweiligen Situation unangemessenen Ausführung. Der Verzicht auf Vordächer, z. B. an exponierten Westfassaden, oder das Weglassen einer Dachrandabdeckung geben dem Haus zwar einen mediterranen Eindruck, ändern aber nicht die Tatsache, dass dieses in einer Klimazone mit häufigen Regenfällen steht.

     

    AUSFÜHRUNGS- UND MATERIALFEHLER
    Solide Konstruktionen mit angemessener Lebensdauer lassen sich nur dann realisieren, wenn nebst der Planung auch die Ausführung sorgfältig erfolgt. Spontane Veränderungsvorschläge ohne Rücksicht auf Konsequenzen sind oft Ursache für spätere Bauschäden. Ausführungsfehler werden auch durch Bauen zum falschen Zeitpunkt, (ungünstige Witterung, falsche Jahreszeit, nicht korrekte Arbeitsreihenfolge), zu grosses Vertrauen in technische Lösungen oder generell eine schnelle und damit unsorgfältige Ausführung hervorgerufen.
    Es ist eine alte Weisheit; der billigste Handwerker kommt den Bauherrn oft am teuersten zu stehen. In wirtschaftlich schlechten Zeiten steigt der Preisdruck und die Qualität sinkt. Der Unternehmer kann, um noch etwas zu verdienen will, nur an Lohn und Material sparen. Das bedeutet billige Konstruktionen und unzureichend ausgebildete Handwerker, die unter grossem Zeitdruck z. B. schon einmal die vom Hersteller vorgegebene Austrocknungszeit nicht berücksichtigen. Damit konfrontierte Bauherren verlieren Geld, Zeit und oft auch die Nerven.
    Einer Vielzahl von neu am Markt erscheinenden Materialien und Konstruktionssystemen wird zu viel zugetraut. Skepsis bei noch wenig bewährten Baumaterialien ist also angebracht. Die Konstruktion ist auf die Baustoffwahl abzustimmen. So sind z. B. die kurzlebigeren Produkte leicht auswechselbar zu montieren. Historische Bauten, die wir oft bewundern, stehen meist noch, weil das handwerkliche Können über Generationen weitergegeben wurde und falsch konstruierte Gebäude nicht alt wurden.

     

    NUTZUNGSFEHLER- ODER UNFACHGERECHTER UNTERHALT
    Als typischer Nutzungsfehler gilt das unzureichende Lüften, insbesondere in den kalten Wintermonaten. Die Raumluftfeuchte «sucht» sich eine möglichst kalte Oberfläche und kann dort zu Kondensat führen, was die Entstehung von Schimmelpilzen begünstigt. Je nach Pflegeintensität und Nutzerverhalten kann die Nutzungsdauer eines Bauwerks erheblich verlängert werden. Kleine Schadstellen wie Beschichtungsfehler oder schadhafte Kittfugen können schon nach kurzer Zeit zu grossen Folgeschäden führen. Die Unterlassung regelmäßiger Instandhaltung lohnt sich daher nie.
    Insbesondere Kittfugen in Nasszellen müssen regelmässig überwacht und erneuert werden. Durch undichte Bewegungsfugen kann unbemerkt Wasser in tiefer liegende Bauteile eindringen. Flachdach und Terrassenabläufe sollten, in regelmässigen Abständen, kontrolliert und gereinigt werden. In der unmittelbaren Nähe von Bäumen und Pflanzen ist dieser Intervall zu intensivieren.
    Text: Pascal Lutz

     

    Fachartikel als PFD: Traumhaus 5/2011